Die sogenannte Vulkangruppe soll einen Kabelbrücke über den Teltow-Kanal in Berlin angezündet haben. Laut Bekennerschreiben, um die fossile Energieinfrastruktur zu zerstören.
Nun frage ich mich: Was genau bringt ein Angriff auf das Verteilungsnetz bezüglich der Verhinderung fossiler Energieerzeugung? Warum ein Gaskraftwerk für ein paar Tage oder Wochen vom Netz nehmen, wenn in Brandenburg noch Braunkohlekraftwerke laufen und zum Berliner Energiemix beitragen? Werden die Strommasten des Kraftwerks „Schwarze Pumpe“ mittlerweile alle von den Sicherheitsbehörden 24/7 überwacht?
Die Aktion scheint zwar operativ brilliant durchgeführt worden zu sein, aber pragmatisch in keiner Weise geeignet, irgendwen zu überzeugen, die Vulkangruppe zu unterstützen. Gefühlt die Hälfte der Leute sieht jetzt lieber „die Russen“ (oder die CIA, oder wen auch immer!) am Werk, als die revolutionäre Intention zu kaufen, auch wenn das Bekennerschreiben vom Grad der Verkopftheit her für mich glaubwürdig linksextrem ist.
Denn gemäß dem Motto „Erst das Fressen, dann die Moral“ werden Menschen immer lieber in ihrer warmen Stube sitzen – auch wenn sie dafür eine Braunkohlediktatur ertragen müssten – als für die Umwelt zu (er-)frieren. Brecht wusste das. Aber anscheinend liest man ihn in den Kreisen der Vulkangruppe eher nicht.
Fazit: Der Anschlag wirkt auf mich so, als hätte die Vulkangruppe einen Schwachpunkt in der Infrastruktur aufgespürt und dann versucht, eine Story drum zu stricken, warum dessen Zerstörung irgendwie revolutionär sein soll.
